|
Yoga allgemein
er
moderne Mensch ist im Allgemeinen nicht begeistert, wenn ihm geraten
wird, seine Sinne zu kontrollieren und Askese zu üben. Das Missverständnis,
das im allgemeinen besteht, ist dass man denkt, Entsagung sei eine
trockene Angelegenheit ohne Freude. Auf der anderen Seite flüchten
viele angesichts des vielen Leids auf der Erde in die Philosophien
des Nihilismus und der Leere. Man möchte mit nichts mehr etwas zu
tun haben.
Es ist aber weder richtig, dass Entsagung eine trockene
Angelegenheit sein muss, noch dass die Philosophie der Leere eine
wirkliche Alternative zur Leiderfahrung ist. Das große Geschenk
Shrila Prabhupadas an die Menschheit ist, dass er die ganze spirituelle
Thematik aufgrund der überlieferten Schriften wieder zurechtgerückt
hat:
Wie sieht es nun aber praktisch aus? Was kann man tun?
s
ist von großer Wichtigkeit, erst einmal zu sehen, wo man selber
steht. Shri Krishna möchte nicht, dass wir heuchlerisch einen Lebensstil
imitieren, der nicht mit unserer wirklichen Stellung übereinstimmt.
Shrila Prabhupada formuliert sehr klar:
|
Ein ehrlicher Straßenfeger ist weitaus besser als ein Scharlatan,
der nur meditiert, um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen.
Kommentar zur Bhagavad-
gita 3.7
|
Im Folgenden möge nun ein Überblick gegeben werden über
Stufen des Bewusstseins und die Leiter des Bhakti-
yoga.
1) Gleichgültigkeit (Erscheinungsweise der Unwissenheit):
Lebensstil ohne Rücksicht auf Verluste, ohne klares Ziel
2) Leidenschaftlich sündhaft oder leidenschaftlich
im Einklang mit den Regeln:
Fruchtbringender Lebensstil mit dem Ziel, Reichtum, Ansehen, Erfolg
etc. zu erlangen; zwei Spielarten: entweder gesetzestreu oder gesetzwidrig
(sündhaft)
3) Tugend:
Frommer Lebensstil im Einklang mit den kosmischen Gesetzen
4) Transzendierender Lebensstil (Yoga):
Echte Yogapraxis hat zum Ziel, das weltliche Bewusstsein von Unwissenheit,
Leidenschaft und Tugend zu transzendieren. Der Yogi möchte das bedingte
Leben hinter sich lassen. Rupa Gosvami, der Leiter der Bhakti-
Tradition, gibt uns im 16. Jahrhundert folgende Yoga-Leiter
an die Hand:
- Vertrauen, dass der Yoga-Vorgang gut für uns ist
- Gemeinschaft mit fortgeschrittenen Yogis
- Einweihung in den Yoga-Vorgang
- Dienst nach Regeln und Regulierungen
- Stetigkeit im Dienst nach Regeln und Regulierungen
- Transzendentaler Geschmack im Dienst
- Starkes Hingezogensein zu Krishna und Seinem Dienst
- Ekstase
- Reine Liebe zu Gott
Wer mehr zum Themenbereich der Bhakti-
Yoga- Praxis wissen möchte, sollte
unbedingt das Buch "Der Nektar der Hingabe" lesen, das in
Kürze neu aufgelegt erscheinen wird.
Was ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist
ie
verschiedenen weltlichen Bewusstseinsstufen (Unwissenheit, Leidenschaft,
Tugend) treten meist vermischt auf. Obwohl ein tugendhaftes Leben
als Absprungbrett in die Transzendenz und in den Yoga-Vorgang besonders
geeignet ist, können auch andere Menschen - ja sogar Tiere, Pflanzen
und belebte Mineralien - Dank der Barmherzigkeit Shri Chaitanyas
in den Nektarozean der Liebe zu Krishna eintauchen, indem sie sich
in der Gemeinschaft der Gottgeweihten aufhalten und den Vorgängen
des Bhakti- yoga soweit wie möglich folgen.
In Indien sieht man beispielsweise bei Pilgermärschen manchmal Hunde,
die treu mitlaufen und sich zuweilen mit den Pilgern vor den Bildgestalten
Gottes verbeugen. Was zählt ist also die redliche Bemühung je nach
den Umständen, in denen man lebt.

|