ISKCON und Missbrauch
Shrila A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada verbreitete die Hare-Krishna-Bewegung von 1965 bis 1977 auf der ganzen Welt. Der rein spirituell fundierte Enthusiasmus Shrila Prabhupadas begeisterte viele Menschen, die hier die Alternative zu dem allgemein vorherrschenden materialistisch ausgerichteten Lebensstil der modernen Gesellschaft sahen. Shrila Prabhupada freute sich über die vorwiegend jungen Leute, die meist sehr spontan an der Respiritualisierung der Welt mitarbeiten wollten. Er übersah dabei nicht die Risiken, die ein solch intensives Unternehmen in sich barg und machte sich Sorgen über eine natürliche und gesunde Entwicklung der Gemeinschaft der Devotees. Oft musste er seine Anhänger darauf hinweisen, dass ernsthaftes religiöses Leben nur auf der Basis der Einhaltung grundlegender menschlicher Verhaltensnormen die gewünschten Früchte hervorbringen würde. Zum Ende seines sichtbaren Wirkens äußerte Shrila Prabhupada, dass er die spirituelle Wissenschaft in umfassender Weise übermittelt habe, es nun jedoch an den ISKCON-Angehörigen läge, die soziale Struktur zu stärken und zu verbessern. Die Institutionalisierung der ISKCON war noch in ihren Anfängen. Die Hare-Krishna-Bewegung beruhte im wesentlichen auf spontanen dezentralen Initiativen der Devotees. Eine Verwaltungsstruktur war nur in Ansätzen vorhanden. So kam es zu großen regionalen Unterschieden, wobei viele verschiedene Auffassungen vertreten wurden, was der richtige Weg in die Zukunft ist. Nicht wenige der Nachfolger Shrila Prabhupadas kapselten sich ab und machten Alleingänge. Gerade in ihren Gefilden kam es denn auch zu den Missständen, die natürlich in der Öffentlichkeit breit getreten wurden. Die ISKCON war noch nicht in einer Weise etabliert, um alle Strömungen in Einklang bringen zu können. Es ist nicht zuletzt His Grace Ravindra Svarupa prabhu zu verdanken, dass sich in den späten 80er Jahren das Verständnis durchsetzte, dass das GBC-Gremium hierarchisch über den regionalen - oft unabhängig agierenden - Leitern angesiedelt sein muss; Shrila Prabhupada hatte das eindeutig in seinen Anweisungen an das Management so formuliert. Es hat tatsächlich mehr als 10 Jahre gedauert bis einzelne allzu selbstherrlich geführte Regionen sich dem internationalen Leitungsgremium fügten. Einige der regionalen Leiter mussten abgesetzt werden, andere quittierten ihren Dienst, jedoch gab es auch vorbildliche, die sich den neuen Erkenntnissen gerne anpassten, wenn sie nicht schon vorher gute Teamplayer gewesen waren. Der Fokus der Massenmedien war auf die Skandale gerichtet, was eben die Natur dieser Einrichtungen ist. Sie berichteten nicht über die redlichen Bemühungen der Devotees, die ISKCON entsprechend dem Willen von Shrila Prabhupada sozial zu strukturieren. Infolge der einseitigen Propaganda war es kein Wunder, dass die Menschen die Hare-Krishna-Bewegung in die Sektenschublade packten.
Aufgrund bitterer Erfahrungen mit Auswüchsen in einigen meist selbstherrlich geführten Regionen beschloss der Führungsrat der ISKCON (GBC) mehr und mehr Maßnahmen zur sozialen Stabilisierung. Unter anderem wurde das Kinderschutzministerium gegründet, das heute bereits Vorbildfunktion für andere Organisationen hat und Lob von akademischer Seite her und anderen erfuhr. Besonders auch die Vergangenheitsbewältigung in der ISKCON setzt Maßstäbe für andere, die erstaunt sind, wie schonungslos und offen eine religiöse Organisation mit internen Missständen umgeht. Das Grundverständnis hierbei ist, dass spirituelle Reinigung nur unter Einhaltung des Grundsatzes der Wahrhaftigkeit nachhaltigen Erfolg zeitigen kann. Schönreden hingegen hat gegenteilige Effekte und führt nur zu einer Abkehr der Menschen von sich als Hort der Seligen darstellenden Organisationen, die man dann zurecht als heuchlerisch und undurchschaubar empfindet.
Die ISKCON in Deutschland-Österreich folgte dem internationalen Leitprogramm
für Kinderschutz und bildete im Jahr 2005 ein Kinderschutzministerium, das
von Hari kripa Mataji geleitet wird, die sich sehr umfassend mit der Materie
beschäftigt und geschickt entsprechende Strukturen im Einklang mit dem
Nationalrat einführt. Zu nennen sind folgende Schritte:
Aufklärung
Jeder leitende Seelsorger muss einen Kurs zum Thema Kinderschutz
absolvieren.
Vorsorge
Sowohl Angehörige der ISKCON als auch Gäste werden auf die Dringlichkeit von
Kinderschutz hingewiesen. Hinsehen. Handeln. Hilfe holen !
Die ISKCON-Zentren bilden zur örtlichen Präsenz Kinderschutzteams.
Wer sich in den Örtlichkeiten eines ISKCON-Zentrums längerfristig aufhalten möchte, wird aufgefordert, ein Formular auszufüllen, um das Kinderschutzteam bei der Überwachungstätigkeit zu unterstützen. Hier erhalten Sie das Formular